Didaktische Methoden
Didaktische Methoden sind die Wege, auf denen Lerninhalte an Lernende vermittelt werden: von der Einzelarbeit über die Gruppenarbeit bis zum mehrwöchigen Projekt. In der BVB-Reha und in der Reha-Ausbildung kommt es besonders auf die richtige Wahl an, weil die Lerngruppen oft sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Methoden in der praktischen Ausbildung, über Kriterien für ihre Auswahl und über die Gestaltung von Lernmaterial. Er geht auf Inhalte der ReZA zurück und ist mit externen Fachquellen gegengeprüft.
Kurz gesagt
Es gibt keine Methode, die für alle passt. Gute Planung beginnt bei der Zielgruppe, nicht bei der Lieblingsmethode: Erst klären, für wen und mit welchem Ziel unterrichtet wird, dann die Methode wählen und bei Bedarf mehrere kombinieren (Methodenmix).
Didaktik und Methodik
Beide Begriffe werden oft vermischt, beantworten aber verschiedene Fragen:
| Begriff | Kernfrage | Gegenstand |
|---|---|---|
| Didaktik | Was wird gelehrt, und warum? | Auswahl und Begründung von Lernzielen, Inhalten und Kompetenzen |
| Methodik | Wie wird es vermittelt? | Konkrete Wege, Mittel, Sozialformen und Verfahren |
Idealerweise ergibt sich das Wie aus dem Was. Methodik wird deshalb in der Fachliteratur häufig als Teilgebiet der Didaktik verstanden.[1]
Daraus folgt eine zentrale Erkenntnis für die Reha: Ändert sich die Zielgruppe, ändert sich auch das, was realistisch und sinnvoll erreichbar ist (Didaktik), und damit die passende Vermittlung (Methodik). Das Lernziel „die Fläche eines Rechtecks berechnen können" kann für zwei Gruppen gleich sein; der Weg dorthin unterscheidet sich, etwa durch eine Textaufgabe mit direkter Rechnung bei der einen und ein vorgerechnetes Beispiel mit einfacher Ankreuzaufgabe bei der anderen. Das Ziel bleibt, die Methode passt sich an.
Methodenwahl: fünf Einflussfaktoren
Damit die Wahl nicht dem Zufall oder dem persönlichen Geschmack überlassen bleibt, hilft ein Raster aus fünf Einflussfaktoren, das in der ReZA besprochen wurde:
| # | Faktor | Kernfrage |
|---|---|---|
| 1 | Zielgruppe | Welche Lernbedürfnisse, welches Vorwissen, welche Motivation bringt die Gruppe mit? |
| 2 | Lerninhalte | Wie komplex ist der Inhalt, was genau ist das Lernziel? |
| 3 | Methodenauswahl und -gestaltung | Passt die Methode zur Gruppe, oder wird die Gruppe an die Methode angepasst (falsche Reihenfolge)? |
| 4 | Lernmittel und Ressourcen | Was ist nötig, was ist vorhanden? |
| 5 | Rahmenbedingungen | Wie viel Zeit steht zur Verfügung, wie ist die Einheit aufgebaut? |
Die Zielgruppe steht bewusst an erster Stelle. Das BIBB nennt als Leitfragen bei der Methodenauswahl unter anderem den Ablauf der Methode und die Frage, welche Lernwege sie anspricht.[2]
Sozialformen, Aktionsformen und Methodengröße
Methoden lassen sich auf mehreren Ebenen beschreiben:
- Sozialformen
- Sie regeln, wer mit wem arbeitet. Üblich unterschieden werden Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Partnerarbeit und Einzelarbeit, dazu als Sonderform das Plenum.[3]
- Aktionsformen
- Sie beschreiben, was getan wird, zum Beispiel Lehrvortrag, Unterrichtsgespräch, Diskussion, Rollenspiel, Projektarbeit, Planspiel, Fallstudie oder Simulation.
- Übende und vertiefende Formen
- Wiederholung, Transferaufgaben, Selbsttests, gegenseitiges Erklären.
Das BIBB unterscheidet außerdem nach dem Umfang: Kleinmethoden wie Brainstorming oder Mindmapping dauern höchstens eine Stunde, Großmethoden wie eine Fallstudie oder ein Rollenspiel können mehrere Tage umfassen.[4]
Methoden im Überblick
| Methode | Kurz erklärt | Besonders geeignet bei | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Vier-Stufen-Methode | Vorbereiten, Vormachen, Nachmachen, Üben | Neue praktische Fertigkeiten, sicherheitsrelevante Abläufe | Braucht Zeit; ungeeignet für offene Problemlösung |
| Leittext | Schriftliche oder bildliche Anleitung zum selbstständigen Arbeiten | Eigenverantwortung, strukturierte Aufgaben | Setzt Lesekompetenz voraus (Bild-/Audio-Varianten) |
| Vollständige Handlung | Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren, Bewerten | Praxisnahe Aufgaben, Selbstständigkeit | Anfangs Begleitung nötig |
| Projektarbeit | Reale Aufgabe von Planung bis Ergebnis | Motivation, Praxisnähe | Aufwändige Organisation |
| Stationenlernen | Mehrere Stationen im eigenen Tempo | Differenzierung, Bewegung | Aufwändige Vorbereitung |
| Gruppenpuzzle | Expertenwissen in zwei Gruppenphasen | Umfangreicher Stoff, gegenseitiges Erklären | Nur für ausreichend selbstständige Gruppen |
| Placemat | Erst einzeln, dann gemeinsam sammeln | Ruhige Einzelreflexion vor Gruppendruck | Braucht Schreibbereitschaft |
| Peer-Learning | Lernende unterstützen sich gegenseitig | Festigung beim Erklärenden, weniger Scham | Tutoren sorgfältig auswählen |
| Brainstorming, Rollenspiel, Fallstudie | Freies Sammeln, Situation durchspielen, Fall lösen | Einstieg, Perspektivwechsel, Anwendung | Fälle fiktiv und anonym halten |
Vier-Stufen-Methode
Die Vier-Stufen-Methode ist der Klassiker der Unterweisung in der Ausbildung und typisch für die AEVO-Prüfung. Sie eignet sich, wenn eine Person einen neuen praktischen Ablauf sicher beobachten, nachvollziehen, selbst ausführen und danach üben soll.[5]
| Stufe | Ausbilder tut … | Auszubildende tun … |
|---|---|---|
| 1. Vorbereiten | Erklärt das Ziel, klärt Vorwissen, bereitet Arbeitsplatz und Material vor, motiviert | Hören zu, stellen Fragen |
| 2. Vormachen und Erklären | Führt die Tätigkeit vollständig, langsam und in verständlichen Schritten vor und erklärt, was und warum | Beobachten aktiv |
| 3. Nachmachen und Erklären lassen | Begleitet, korrigiert, lässt die Entscheidungen begründen | Führen selbst aus und erklären dabei |
| 4. Üben und Sichern | Vereinbart weitere Übung, kontrolliert Ergebnisse, plant die nächste Anwendung | Üben selbstständig |
Geeignet für: neue praktische Fertigkeiten, klar strukturierte Abläufe, sicherheitsrelevante Tätigkeiten. Weniger geeignet für: offene Problemlösung, reines Wissen oder Aufgaben, bei denen selbstständig ein Lösungsweg geplant werden soll.
Eine modifizierte Variante zerlegt Vormachen und Üben in kleinere Abschnitte, sodass die Lernenden schon während der Unterweisung handeln. Das funktioniert besonders, wenn Grundkenntnisse vorhanden sind.[6]
Anpassung für die Reha
Aus der ReZA und der Praxis: Das Vormachen bei Bedarf mehrfach wiederholen, die Kommentierung verlangsamen und vereinfachen, in Stufe 3 Fehler zulassen und gemeinsam korrigieren statt abzunehmen, in Stufe 4 anfangs häufiger kontrollieren, bis Sicherheit nachgewiesen ist.
Leittextmethode
Bei der Leittextmethode arbeiten Auszubildende anhand schriftlicher oder bildlicher Materialien selbstständig an einer praktischen Aufgabe; der Ausbilder ist dabei Berater. Die Methode entstand Mitte der 1970er-Jahre in der Praxis bei Daimler-Benz in Gaggenau.[7]
Ein Leittext besteht typischerweise aus:
- Leitfragen, die die Informationssuche strukturieren
- einem Arbeitsplan, den die Auszubildenden selbst erstellen
- einem Kontrollbogen zur Selbstprüfung (Soll-Ist-Vergleich)
- einem Leitsatz zur Orientierung
Die Methode folgt den sechs Phasen der vollständigen Handlung (siehe unten): Informieren, Planen, Entscheiden (im Fachgespräch mit dem Ausbilder), Ausführen, Kontrollieren, Bewerten.[8]
Kritik: Die Methode wird teils als zu nah am programmierten Unterricht gesehen und lässt wenig Mitbestimmung bei der Gestaltung des Lernprozesses. Seit 1998 wird sie zunehmend vom Lernfeldkonzept abgelöst.[9]
Anpassung für die Reha
Checklisten mit Bildern statt (oder zusätzlich zu) Text, einfache Sprache und kurze Sätze, laminierte Karten zum Abhaken, bei Leseschwäche eine Audioanleitung oder Bildabfolge.
Vollständige Handlung und Handlungsorientierung
Das BIBB nennt als Kernprinzip der Ausbildung: Um die berufliche Handlungsfähigkeit zu fördern, sind aktive, situationsbezogene Methoden erforderlich, also Lernen für Handeln (an berufstypischen Aufgaben) und Lernen durch Handeln (eigene Handlungen ermöglichen). Grundlage ist das Modell der vollständigen Handlung mit sechs Schritten:[10]
- Informieren: Aufgabe verstehen, Informationen beschaffen
- Planen: Vorgehen und Mittel festlegen
- Entscheiden: Lösungsweg wählen
- Ausführen: Plan umsetzen
- Kontrollieren: Ergebnis prüfen
- Bewerten: Prozess und Ergebnis reflektieren
Im GaLaBau läuft jede Arbeit, etwa das Pflastern eines Weges oder das Anlegen eines Beetes, im Kleinen durch diese sechs Phasen. Wird das Modell ausdrücklich genutzt, übernehmen Auszubildende zunehmend selbst das Informieren und Planen, während der Ausbilder anfangs vor allem beim Entscheiden und Kontrollieren begleitet.
Projektarbeit
Ein Projekt ist ein einmaliges, zeitlich befristetes Vorhaben mit einem klaren Ziel. Typisch sind drei Abschnitte: Vorbereitung (Idee, Skizze, Planung), Durchführung und Abschluss (Reflexion und Bewertung). Die Dauer reicht von einem Tag bis zu einem Jahr; gearbeitet wird oft in Gruppen von vier bis sechs Personen. Vorteile: Aufgaben lassen sich nach Fähigkeiten verteilen (Differenzierung), Problemlösen und Selbstständigkeit werden gefördert.[11]
Beispiele aus dem GaLaBau: ein Beet anlegen (Planung, Bepflanzung, Pflege), eine kleine Terrassenfläche pflastern, ein Hochbeet bauen. Besonders motivierend wirkt ein sichtbares, echtes Ergebnis. Klare Teilaufgaben mit Verantwortlichkeiten helfen bei der Struktur.
Stationenlernen
Beim Stationenlernen durchlaufen die Lernenden mehrere in sich abgeschlossene Aufgabenstationen im eigenen Tempo; ein Laufzettel steuert die Route. Üblich sind vier Stationstypen:[12]
| Typ | Zweck | Zeitrichtwert |
|---|---|---|
| Pflichtstationen | Kernwissen für alle | 8–10 Min. |
| Wahlstationen | Vertiefung nach Interesse, Differenzierung | 6–8 Min. |
| Pufferstationen | Für Schnelle, kein Pflichtinhalt | flexibel |
| Kontrollstationen | Selbstkorrektur mit Lösungskarten | 3–5 Min. |
Für eine Einheit von 45 Minuten werden fünf bis sechs Stationen empfohlen, für 90 Minuten acht bis zehn; hinzu kommen 1 bis 2 Minuten Wechselzeit je Station. Ein häufiger Planungsfehler sind zu viele Pflichtstationen, weil dann die Zeit knapp wird und die Differenzierung verloren geht.[13]
Jede Station braucht ein Ziel, eine Aufgabenkarte (am besten Bild und Text), bereitgestelltes Material und eine Kontrollmöglichkeit.
Gruppenpuzzle
Das Gruppenpuzzle (englisch Jigsaw, nach Elliot Aronson, 1978) arbeitet mit einer doppelten Gruppenstruktur:[14]
- Stammgruppen erhalten dieselbe Aufgabe, deren Teilaspekte auf die Mitglieder verteilt werden.
- In Expertengruppen treffen sich alle, die denselben Teilaspekt bearbeiten, und erarbeiten ihn gemeinsam.
- Zurück in der Stammgruppe vermitteln die Experten ihr Wissen den anderen; zusammen wird die Ausgangsaufgabe gelöst.
Vorteile: Eigenverantwortung, gegenseitiges Erklären, Zeitersparnis bei umfangreichem Stoff. Voraussetzung sind eine klare Aufgabenstellung, geeignetes Material und Teilnehmende, die sich in dieser Autonomie zurechtfinden.
Placemat
Die Placemat ist eine Methode des kooperativen Lernens in drei Phasen: Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Plenum. In der Einzelphase schreibt jedes Gruppenmitglied seine Gedanken in das ihm zugewandte Feld eines Blattes. In einer Variante wird das Blatt gedreht, damit alle die Gedanken der anderen lesen, abhaken oder ergänzen können. Zum Schluss einigt sich die Gruppe auf ein Ergebnis in der Mitte.[15] Der Vorteil für die Reha: Jeder denkt zuerst ruhig für sich, bevor der Gruppenaustausch beginnt.
Peer-Learning
Beim Peer-Learning unterstützen sich Lernende gegenseitig, zum Beispiel im Tandem (einer zeigt, einer führt aus), als Gruppen-Tutor oder als Lernpate für neue Teilnehmende. Wer etwas erklärt, muss es selbst gut verstanden haben, das festigt das eigene Wissen. Zudem fällt es vielen leichter, vor Gleichgestellten Fragen zu stellen als vor dem Ausbilder.[16]
Nicht jede Person eignet sich als Tutor
Peer-Learning funktioniert nur, wenn die tutorierende Person die Fertigkeit sicher beherrscht und kein dominantes oder übergriffiges Verhalten zeigt. Auswahl und Begleitung durch den Ausbilder sind wichtig. Dieser Hinweis stammt aus der Ausbildungspraxis und den ReZA-Unterlagen; in den externen Quellen wird er nur am Rande behandelt.
Selbstorganisiertes Lernen
Beim selbstorganisierten Lernen (SOL) legen die Lernenden einen erheblichen Teil von Lernzielen, Lernweg, Methoden und Zeitplanung selbst fest, und kontrollieren ihren Lernerfolg auch selbst. Als Schlüsselfaktoren gelten Selbstmotivation, Wahl von Lernstrategien und das eigenständige Überwinden von Lernhindernissen.[17]
Kein Selbstläufer
SOL bedeutet nicht „ohne Struktur", sondern „mit verlagerter Verantwortung". Bei Lernschwierigkeiten oder Konzentrationsproblemen kann „einfach machen lassen" überfordern. SOL-Elemente sollten dosiert und mit klaren Leitplanken eingeführt werden: Zeitrahmen, Zwischenchecks, konkrete Teilaufgaben. (Einordnung aus der ReZA.)
Mögliche Einsatzfelder: eigenständige Pflegeplanung für ein zugewiesenes Beet, Wahlaufgaben innerhalb eines Rahmens, Recherche zu einem neuen Thema, ein Lerntagebuch oder ein Wochenrückblick.
Methodenmix
Keine einzelne Methode erreicht alle. Eine rein mündliche Methode benachteiligt Menschen mit Hörbeeinträchtigung, eine textlastige Methode Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, eine zeitkritische Methode (etwa ein Quiz) Menschen mit Rechenschwäche oder kognitiven Einschränkungen. Deshalb werden Methoden bewusst kombiniert, zum Beispiel:
- Einstieg: Brainstorming aktiviert das Vorwissen
- Erarbeitung: Stationenlernen im eigenen Tempo, mit Bildkarten als Material
- Sicherung: mündlicher Austausch mit Bewegung (zum Beispiel Partnerinterview oder Kugellager)
Differenzierung
Differenzierung bedeutet: gleiche Ziele, unterschiedliche Wege und Anforderungen. In der Fachliteratur werden unter anderem diese Formen unterschieden:[18]
| Form | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Quantitativ | Unterschiedliche Aufgabenmenge oder Zeit bei gleichem Lernziel | Eine Person setzt mehr Steine, eine andere weniger, beide korrekt |
| Qualitativ | Unterschiedlicher Schwierigkeitsgrad | Formschnitt oder einfacher Rückschnitt |
| Medial | Unterschiedliche Darstellung des Materials | Bildkarte oder Textkarte |
| Methodisch | Verschiedene Wege zum Ziel | Selbstständiges Lesen oder geführte Anleitung |
| Sozial | Gezielte Gruppenzusammensetzung | Allein an einer ruhigen Station oder im Tandem |
Zielgruppe: Auswirkungen auf das Lernen
In der ReZA wurden vier Bereiche betrachtet, in denen sich Beeinträchtigungen auf das Lernen auswirken können, jeweils mit ihren didaktisch-methodischen Folgen. Diese Zusammenstellung stammt aus den Unterlagen der Weiterbildung, die Konsequenzen sind mit Ergebnissen der Lernforschung zur Aufmerksamkeit und zum Arbeitsgedächtnis vereinbar (siehe Abschnitt zu Lernmitteln).
| Bereich | Mögliche Folge | Methodische Konsequenz |
|---|---|---|
| Lernrhythmus | Anderes Tempo, geringere Ausdauer, Tagesform-Schwankungen | Kürzere Einheiten, mehr Pausen, Pufferzeiten statt fester Fristen |
| Lernschwierigkeiten | Vermeidung bestimmter Aufgaben, fehlender Transfer | Frühzeitig systematisch beobachten, kleinschrittig üben, in den Förderplan aufnehmen |
| Konzentration | Schnelle Ermüdung, Ablenkbarkeit | Aufgaben in kleine Einheiten teilen (Chunking), Bewegungspausen, reizarme Umgebung |
| Gedächtnis und Wahrnehmung | Information wird nicht zuverlässig aufgenommen oder behalten | Kurze, klare Anweisungen, eine Information zur Zeit, Bild und Wort kombinieren, Wiederholung in wachsenden Abständen |
Ein Verdacht auf eine Lernschwierigkeit ist dabei eine Arbeitshypothese, keine Diagnose. Das Gespräch mit der Person selbst gehört immer dazu. Weitere Hintergründe: Handicaps und Krankheitsbilder, Förderplanung, Kompetenzfeststellung.
Lernmittel und Lernmedien
Begriffe
- Lernmittel nutzen die Lernenden selbst, zum Beispiel Arbeitsblätter, Fachbücher, Lernkarteien.
- Lehrmittel verbleiben bei der Lehrperson oder im Betrieb, zum Beispiel Demonstrationsmaterial oder Anschauungsmodelle.
- Lernmedien sind Kommunikationsmittel zur Vermittlung von Inhalten, etwa Video, Audio oder Lernsoftware.[19]
Im GaLaBau sind auch reale Gegenstände wie Spaten, Wasserwaage oder Pflanzenmaterial unmittelbare Lernmittel.
Weniger ist oft mehr: Cognitive Load
Das Arbeitsgedächtnis hat nur begrenzte Kapazität. Die von John Sweller entwickelte Cognitive Load Theory unterscheidet drei Arten der Belastung:[20]
- Intrinsische Belastung: ergibt sich aus der Komplexität des Stoffes selbst
- Extrinsische (überflüssige) Belastung: entsteht durch schlechte Gestaltung und lenkt vom Lernen ab
- Lernbezogene Belastung: Aufwand, der in den Aufbau von Wissen fließt
Daraus ergibt sich ein Ziel für Lernmaterial: Den Stoff sinnvoll in Abschnitte teilen (Chunking), Wichtiges hervorheben und Überflüssiges weglassen.
Richard E. Mayers Theorie des multimedialen Lernens baut darauf auf. Sie geht von zwei getrennten Verarbeitungskanälen (visuell und akustisch), begrenzter Kapazität und aktiver Verarbeitung aus.[21] Drei der daraus abgeleiteten Gestaltungsregeln sind für eigene Materialien besonders nützlich:[22]
| Prinzip | Aussage | Praxis |
|---|---|---|
| Kohärenz | Man lernt besser, wenn überflüssiges Material weggelassen wird | Bilder nur einsetzen, wenn sie etwas erklären, nicht als Dekoration |
| Redundanz | Grafik mit gesprochenem Text lernt sich besser als Grafik mit gesprochenem und identisch eingeblendetem Text | Nicht denselben Text zweimal anbieten |
| Räumliche Nähe | Zusammengehörige Wörter und Bilder gehören nah zusammen | Beschriftung direkt am Bild, nicht auf einer anderen Seite |
Für eigene Arbeitsblätter
Vor dem Einfügen eines Bildes fragen: Ergänzt es den Text wirklich, oder macht es das Blatt nur freundlicher? Mehr Medien bedeuten nicht automatisch mehr Lernerfolg.
Lerntypen und Lernstile: kritisch betrachtet
Immer wieder wird empfohlen, Unterricht auf „Lerntypen" abzustimmen (visuell, auditiv, haptisch, kommunikativ). Die Forschung sieht das kritisch: Eine Übersichtsarbeit von Pashler und Kollegen (2008) fand keine belastbaren Belege dafür, dass es besser lernt, wer in seinem bevorzugten Kanal unterrichtet wird (sogenannte Meshing-Hypothese).[23] Für die Praxis heißt das: Nicht auf einen vermeintlichen Typ festlegen, sondern Inhalte mehrkanalig anbieten (Zeigen, Erklären, Anfassen, Ausprobieren) und die Methode am Lerninhalt und an konkreten Beeinträchtigungen ausrichten.
Didaktische Prinzipien
Als Prüfstein für die Methodenwahl dienen einige Grundsätze der Ausbildungsdidaktik. Eine einheitliche, verbindliche Liste gibt es nicht; je nach Quelle werden Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt.[24]
- Sachsystemprinzip: systematischer, logisch aufgebauter Stoff
- Handlungsprinzip: Lernen durch eigenes Tun
- Individualisierungsprinzip: unterschiedliche Stärken und Schwächen berücksichtigen
- Motivationsprinzip: positive Lernatmosphäre, abwechslungsreiche Gestaltung
- Anschaulichkeit und Praxisnähe: Abstraktes greifbar machen, an reale Situationen anknüpfen
- Vom Bekannten zum Unbekannten und vom Leichten zum Schweren
- Erfolgssicherung: Übung, Wiederholung, Transfer
Feedback
Wirksames Feedback ist direkt, situationsnah und bezieht sich auf das Verhalten, nicht auf die Person. Nicht „gut gemacht", sondern „Der Stein sitzt genau in der Flucht". Auch kleine Fortschritte werden benannt. Bei der Rückmeldung von Verbesserungswünschen hilft die Sandwich-Methode: erst etwas Positives, dann ein konkreter Verbesserungswunsch, dann Ermutigung. Diese Regeln stammen aus den Unterlagen der Ausbildung und der ReZA, ich habe sie hier nicht gesondert gegen externe Quellen geprüft.
Praxisbeispiel Gartenprojekt
Im Gartenprojekt greifen mehrere Methoden ineinander: eine kurze Theorieeinheit mit Arbeitsblatt bereitet vor, die Projektarbeit liefert die reale Aufgabe (zum Beispiel das Pflastern eines Weges), die Vier-Stufen-Methode führt in neue Handgriffe ein, und ein Ampelsystem regelt die Freigaben:
| Farbe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Rot | Nicht allein | Rüttelplatte, Steine schneiden |
| Gelb | Mit Aufsicht | Höhen einmessen, anspruchsvolle Verlegearbeit |
| Grün | Selbstständig | Steine sortieren, Fugen einfegen |
So finden alle Teilnehmenden eine Aufgabe, die zu ihnen passt.
Verwandt
- ReZA
- Reha-Ausbildung
- Förderplanung
- Kompetenzfeststellung
- Werkzeugkunde
- Handicaps und Krankheitsbilder
- Ausbildung & Reha
- Über Gartenwerker
Anmerkungen
- ↑ Vgl. Didaktik und Methodik: Unterschiede, Zusammenspiel und Prinzipien – kita.de sowie Methodik (Pädagogik) – Wikipedia.
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung: Didaktik und Methodik in der Ausbildung.
- ↑ Sozialform – Wikipedia. Zu Sozialformen und Handlungsmustern im Zusammenhang der Unterrichtsplanung siehe Hilbert Meyer: Grundformen des Unterrichts, Universität Oldenburg 2007.
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung: Didaktik und Methodik in der Ausbildung.
- ↑ Vier-Stufen-Methode: klassisch, modifiziert und mit Beispiel – einfach-aevo.de; 4-Stufen-Methode AEVO – AEVO Akademie.
- ↑ einfach-aevo.de, a. a. O.
- ↑ Leittextmethode – Wikipedia.
- ↑ Leittext in der Ausbildung – AdA2go.de; BIBB, a. a. O.
- ↑ Leittextmethode – Wikipedia, a. a. O.
- ↑ Bundesinstitut für Berufsbildung: Didaktik und Methodik in der Ausbildung.
- ↑ Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Projektarbeit – Methodenblatt.
- ↑ Stationenlernen und Lernzirkel: Stationstypen & Zeittakt – stifo.de; Stationenlernen – sowi-online.de.
- ↑ stifo.de, a. a. O.
- ↑ Gruppenpuzzle – Lehrerfortbildung BW; Gruppenpuzzle – e-teaching.org; Gruppenpuzzle – Wikipedia.
- ↑ Placemat – ZUM-Unterrichten; Placemat – Universität Bremen.
- ↑ Peer-Learning unter Azubis – bnw.de; Peer-Learning: Lernen auf Augenhöhe – American Express.
- ↑ Selbstorganisiertes Lernen: Definition, Methoden & Beispiele – Easy LMS; Lexikon der Psychologie – Spektrum.
- ↑ Vgl. Adaptiver Unterricht / Differenzierung – ZFL; Differenzierung – Universität des Saarlandes.
- ↑ Vgl. Unterrichtsmittel – Wikipedia (zu Lernmittel und Lehrmittel); die Einordnung von Lernmedien folgt den Unterlagen der ReZA.
- ↑ Cognitive Load Theory – EdTech Books; Multimedia Learning Principles – UC San Diego.
- ↑ Theorie zum multimedialen Lernen nach Mayer – LMU München.
- ↑ Mayer's Principles of Multimedia Learning – Educational Technology; Mayer's 12 Design Principles – Edume.
- ↑ Pashler, McDaniel, Rohrer, Bjork: Learning Styles: Concepts and Evidence, 2008 (Psychological Science in the Public Interest).
- ↑ Vgl. Fachdidaktische Prinzipien – AEVO Akademie (Sachsystem-, Handlungs-, Individualisierungs- und Motivationsprinzip); Unterrichtsprinzipien – Wikipedia.