Förderplanung
Die Förderplanung ist der strukturierte Prozess, aus einer Einschätzung der Stärken und Unterstützungsbedarfe einer Person einen konkreten, überprüfbaren Förderplan zu machen. Sie ist das Bindeglied zwischen Diagnostik (etwa aus Potenzialanalyse oder Eignungsfeststellung) und der tatsächlichen praktischen Förderung im Alltag einer Maßnahme wie der BVB-Reha.
Kurz gesagt
Ein Förderplan beantwortet drei Fragen: Wo steht die Person gerade? Wohin soll die Entwicklung gehen? Und mit welchen konkreten Schritten kommt man dahin? Entscheidend ist, dass er kein einmaliges Dokument ist, sondern regelmäßig überprüft und angepasst wird.
Was ist ein Förderplan?
Ein Förderplan dokumentiert den aktuellen Entwicklungs- bzw. Leistungsstand einer Person, beschreibt den Förderbedarf und formuliert daraus klare Förderziele. Typischerweise enthält er:
- Stammdaten – Person, Einrichtung, verantwortliche Fachkräfte
- Ausgangslage – aktueller Stand auf Grundlage von Beobachtung und Diagnostik
- Förderziele – individuelle, nach dem SMART-Prinzip formulierte Ziele (siehe unten)
- Fördermaßnahmen – konkrete Methoden, Materialien, Settings
- Umsetzungsverantwortung – wer ist wofür zuständig
- Evaluation – wann und wie wird überprüft, ob die Ziele erreicht wurden
Der Förderplanungskreislauf
Ein Förderplan entfaltet seine Wirkung nur, wenn er als Teil eines fortlaufenden Kreislaufs verstanden wird – nicht als einmalig geschriebenes Dokument, das danach in der Akte verschwindet:
- Bedarfsermittlung – strukturierte Erfassung der Förderbedarfe, aufbauend auf Beobachtung und ggf. vorangegangener Diagnostik
- Zielformulierung – Entwicklung realistischer, erreichbarer Ziele (siehe SMART-Prinzip)
- Maßnahmenplanung – Festlegung konkreter Umsetzungsschritte, Methoden und Zuständigkeiten
- Teamabstimmung – Einbeziehung aller Beteiligten, bei der BVB-Reha z. B. Bildungsbegleitung, sozialpädagogische und psychologische Begleitung sowie die Beraterin bzw. der Berater der Agentur für Arbeit
- Umsetzung – Alltagsintegration der Fördermaßnahmen
- Evaluation und Fortschreibung – regelmäßige Überprüfung der Zielerreichung und Anpassung des Plans
Nach der Evaluation beginnt der Kreislauf erneut bei der (aktualisierten) Bedarfsermittlung – daher „Kreislauf" statt „Ablauf".
Ressourcenorientierung
Förderpläne orientieren sich bei Zielen und Maßnahmen vorrangig an den vorhandenen Stärken und Fähigkeiten der Person, nicht nur an ihren Defiziten. Diese Ressourcenorientierung ist kein netter Zusatz, sondern methodisch zentral: Wer eine Förderung ausschließlich auf Schwächen aufbaut, riskiert Frustration statt Motivation – Fördermaßnahmen sollen an dem ansetzen, was jemand schon kann, um darauf aufzubauen.
Zielhierarchie: vom Grobziel zum Feinziel
Förderziele werden meist in einer Hierarchie formuliert: Ein Grobziel beschreibt die übergeordnete Entwicklungsrichtung, ist aber noch unkonkret formuliert und lässt sich nicht direkt beobachten. Daraus werden Feinziele abgeleitet – so konkret formuliert, dass sich ihr Erreichen tatsächlich beobachten und überprüfen lässt. Erst die Summe der erreichten Feinziele führt zum übergeordneten Grobziel.
Förderziele nach dem SMART-Prinzip
Damit Förderziele überprüfbar sind, werden sie nach dem SMART-Prinzip formuliert:
| Buchstabe | Bedeutung | Erläuterung |
|---|---|---|
| S | Spezifisch | Das Ziel möglichst konkret und eindeutig formulieren, wenig Interpretationsspielraum lassen |
| M | Messbar | So formulieren, dass die Zielerreichung kontrollierbar ist |
| A | Akzeptabel | Das Ziel orientiert sich an den Ressourcen und Kompetenzen der Person und wird von allen Beteiligten mitgetragen |
| R | Realistisch | Das Ziel ist für die Person und den diagnostizierten Förderbedarf tatsächlich umsetzbar |
| T | Terminiert | Ein konkreter Zeitpunkt für die (Zwischen-)Überprüfung wird festgelegt |
Beispiel für ein SMART formuliertes Feinziel: „Nimmt zeitliche Abläufe im Arbeitsalltag wahr und hält vereinbarte Pausenzeiten eigenständig ein" – statt des vagen Grobziels „hat mehr Struktur im Alltag".
Rechtlicher Rahmen in der beruflichen Rehabilitation
In der beruflichen Rehabilitation ist Förderplanung kein rein pädagogisches Konzept, sondern auch rechtlich verankert. Nach § 118 SGB IX müssen Leistungserbringer der Eingliederungshilfe ein standardisiertes, ICF-orientiertes Bedarfsermittlungsinstrument verwenden – ICF steht für die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit und beschreibt ein bio-psycho-soziales Modell: Eine Beeinträchtigung wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel von Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe und Umweltfaktoren. Für Leistungen nach §§ 57 und 58 SGB IX ist zusätzlich ein Teilhabeplanverfahren auf Grundlage dieser Bedarfsermittlung durchzuführen, bei dem Ziel- und Leistungsplanung gemeinsam mit der leistungsberechtigten Person und den Leistungsträgern erörtert werden.
Innerhalb einer BVB baut die individuelle Förder- und Qualifizierungsplanung auf den Ergebnissen der Kompetenzanalyse auf. Die Ergebnisse werden in Zielvereinbarungen festgehalten – allerdings nur für die tatsächlich relevanten Förderzielbereiche, nicht pauschal für alle. Die wesentlichen Inhalte sind spätestens zwei Wochen nach Ende der Kompetenzanalyse in Form einer Leistungs- und Verhaltensbeurteilung (LuV) der Beraterin bzw. dem Berater der Agentur für Arbeit zur fachlichen Abstimmung vorzulegen. Im weiteren Maßnahmeverlauf werden Kompetenzzuwachs und Zielerreichung regelmäßig geprüft, dokumentiert und die Förder- und Qualifizierungsangebote bei Bedarf angepasst – der Förderplanungskreislauf in der Praxis.
Bezug zur Praxis
- Ein guter Förderplan ist kein Papier, das einmal geschrieben und dann abgeheftet wird – er lebt vom regelmäßigen Blick zurück: Was hat funktioniert, was nicht, und warum?
- Ressourcenorientierung heißt in der Praxis: Auch bei jemandem mit vielen Baustellen zuerst fragen „Was kann diese Person schon gut?", bevor man die nächste Schwäche ins Visier nimmt.
- Die Kombination aus Potenzialanalyse bzw. Eignungsfeststellung als Diagnostik-Grundlage und der anschließenden Förderplanung ist genau das Handwerkszeug, das die ReZA-Weiterbildung Ausbildern in der Reha vermittelt.
Quellen:
- TheraVira – Was ist ein Förderplan? (Heilpädagogik)
- inklusion-digital.de – Förderziele SMART formulieren
- Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) – Bedarfsermittlung nach dem SGB IX
- Bundesagentur für Arbeit – Fachkonzept Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen BvB 1 bis 3, Stand April 2022