Treppenbau

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Treppenbau ist im Garten- und Landschaftsbau die fachgerechte Planung und Herstellung von Außentreppen zur Überwindung von Höhenunterschieden. Treppen erfüllen dabei sowohl eine funktionale als auch eine gestalterische Aufgabe – sie müssen sicher, bequem begehbar und dauerhaft standfest sein.

Wann braucht ein Weg eine Treppe?
Von einer Treppe spricht man ab mindestens drei Stufen; darunter handelt es sich um Tritte oder Einzelstufen. Reicht die Steigung eines Weges nicht mehr aus, wird eine Treppe nötig: bei glatten Belägen (z. B. Platten) ab ca. 8 % Steigung, bei rauem Belag (z. B. Natursteinpflaster) ab etwa 15 % Steigung – darüber besteht sonst Rutschgefahr und die Fläche wird unbequem zu begehen.

Fachbegriffe

Detailskizze mit Treppenbaulänge, Treppenbauhöhe, Zwischenpodest, Einbindetiefe und Stufenmaßen am Beispiel Blockstufe
Begriff Bedeutung
Einläufige Treppe Treppenlauf ohne Podest
Zweiläufige / dreiläufige Treppe Treppenlauf mit Zwischenpodest (dreiläufig = zwei Podeste)
Antrittsstufe unterste/erste Stufe der Treppe
Austrittsstufe oberste/letzte Stufe der Treppe
Stufenbaumaß die Stufenbestellmaße, z. B. 14/38/120 (Stufenhöhe/Auftritt/Stufenbreite) – jede höhere Stufe lagert dabei 3 cm auf der nächst unteren auf
Auflager wie weit die obere Stufe auf der darunterliegenden aufliegt
Auftritt (a) die nutzbare Stufentiefe
Stufenhöhe (h) Stufenhöhe, an der Stufenvorderseite gemessen
Stufengefälle Neigung einer Stufe nach vorn (Entwässerung), i. d. R. 1 cm bzw. 1–3 %
Steigung Summe aus Stufenhöhe und Stufengefälle
Steigungsverhältnis Verhältnis von Steigung (h) zu Auftritt (a), z. B. 14/35 = 14 cm hoch, 35 cm Auftritt
Unterschneidung Überstand der nächsthöheren Stufe zur unteren Stufe
Einbindetiefe wie tief eine Stufe in einen anstehenden Belag eingebunden ist
Treppenbauhöhe (Tbh) Höhenunterschied zwischen Belagsanschluss der Antrittsstufe und Belagsanschluss der Austrittsstufe (Stufenbauhöhe × Anzahl der Stufen)
Treppenbaulänge (Tbl) Länge von Vorderkante Antrittsstufe bis Hinterkante Austrittsstufe (Anzahl der Stufen × Auftritt)
Laufline der übliche zu gehende Weg der Treppe
Wendelung Treppe verläuft im Bogen und ändert die Richtung; der ermittelte Auftritt muss in der Mitte der Stufe gegeben sein
Zwischenpodest begehbare Fläche zwischen zwei Treppenläufen
Treppenlaufbreite Breite der Treppe, abhängig von der Anzahl gleichzeitig gehender Personen
Treppenhandlauf seitliches Haltegestänge zur Gehsicherheit; die Absturzsicherung soll bei Treppen/Podesten höher sein als der Geländeverlauf vor seitlichem Absturz schützen
Treppenwange begrenzt die Treppe seitlich, kann auch als Handlauf dienen
Schrittmaßformel dient zur Berechnung des Verhältnisses zwischen Steigung und Auftritt

Stufenarten und Materialien

Blockstufen

Möglicher Aufbau einer Blockstufentreppe

Die klassische Form für Stufen im Freien – bestehen aus einem massiven Block, dessen Vorderseite mehr oder weniger profiliert ist (bei Betonstufen sollte die Oberkante der Vorderseite gefast sein). Durch ihr Eigengewicht und ihre Stabilität haben Blockstufen gute statische Eigenschaften und können auch auf einem labilen Fundament verlegt werden.

Einziger Nachteil: hohes Gewicht (ca. 140 kg/m), was die Länge auf etwa 2 m begrenzt. Zum Verlegen werden Hebezangen, Ladekrane oder Radlader eingesetzt. Der Bau beginnt mit der untersten Stufe; das Auflager der Stufen zueinander muss mindestens 2 cm betragen. Bei Stufen aus mehreren Blöcken nebeneinander ist aus optischen und bautechnischen Gründen auf getrennten Fugenverlauf zu achten.

Material: alle wetterfesten Natursteine (z. B. Granit, Porphyr, Muschelkalk, Sandstein) – meist mit gesägten Lagern und bruchrauhem Haupt geliefert. Eine häufige, gut geeignete Variante sind Blockstufen aus Beton.

Legstufen

Möglicher Aufbau einer Legstufentreppe

Bestehen aus einer Stufenplatte und einer Unterlage. Wirken durch die Unterschneidung (und die daraus folgende Schattenfuge) leichter als Blockstufen. Ihre geringere Eigenstabilität erfordert in der Regel ein Betonfundament.

Material: besonders geeignet sind Natursteinplatten, die sich z. B. in vorhandene Mauerwerke einfügen lassen. Auch ein vollständiger Aufbau aus Betonsteinprodukten ist möglich. Bei der Verbindung von Trittelement und Unterlage ist auf einen geeigneten Mörtel zu achten; bei Natursteinen sollte ein Kleber auf Trasszementbasis verwendet werden, um Ausblühungen vorzubeugen.

Stellstufen

Möglicher Aufbau einer Stellstufentreppe

Das eigentliche Stufenelement wird nicht gelegt, sondern gestellt. Ist die Fundamentierung nicht ausreichend, neigt sich die Stellkante nach vorn – dadurch entstehen Stolperfallen. Bei richtiger Fundamentierung sind Stellstufen absolut gleichwertig mit anderen Bauformen. Kaum ein Belag ist für Stellstufen ungeeignet; der Wegebelag angrenzender Pflasterflächen kann auf der Treppe fortgesetzt werden.

Material: Naturstein muss im Freien so verlegt werden, wie er gewachsen ist – also mit horizontal liegenden Schichten. Deshalb scheiden alle geschichteten Natursteine für Stellstufen aus. Geeignet sind Granit, Porphyr und Gneis. Betonwerksteine sind für Stellstufen besonders preiswert. Werden die Stufen mit Naturstein (z. B. Mosaik- oder Kleinpflaster) gefüllt, empfiehlt sich eine gebundene Bauweise mit fester Fuge.

Weitere Stufenarten

Stufen aus Hölzern
Rund-, Halbrund- oder Vierkanthölzer, von der Bauform her Stellstufen; geeignet vor allem für die freie Landschaft (Wanderwege) oder provisorische Treppen.
Winkelstufen
Entsprechen im Aussehen den Blockstufen, bestehen aber (um Material und Gewicht zu sparen) nur aus Auftritt und Vorderseite. Erfordern eine Betonfundamentierung – meist zur Verkleidung von Ortbetonstufen mit entsprechendem Vorsatz verwendet.

Planungsgrundsätze

Steigungsverhältnis und Schrittmaßformel

Schrittmaß, Steigungsverhältnis und weitere Treppenregeln im Überblick. (Bild: Alberisch, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Grundlage der Treppenplanung ist das Schrittmaß mit 63 bis 65 cm. Bei einem Schritt auf der Treppe müssen zwei Stufenhöhen und ein Auftritt überwunden werden. Daraus ergibt sich die Schrittmaßformel:

2 × Steigung (Stg) + Auftritt (a) = Schrittlänge (63–65 cm)

Wahlmöglichkeiten von Stufenauftritten (a) zu Stufenhöhen (h) bei einem Schrittmaß von 63 cm:

Stufenhöhe (h) cm Auftritt (a) cm Schrittlänge cm
10 43 „Königsmaß" 63
11 41 63
12 39 63
13 37 63
14 35 „Normalmaß" 63
15 33 „Normalmaß" 63
16 31 63
17 29 63
18 27 63
19 25 „Kellerstufenmaß" 63

Je höher eine Stufe wird, umso kürzer wird der Auftritt – und umgekehrt. Die Steigungsverhältnisse sind im Freien unbedingt einzuhalten, sonst sind Treppen unbequem zu begehen. Innerhalb einer Anlage darf das Steigungsverhältnis nicht gewechselt werden, schon gar nicht innerhalb einer einzelnen Treppe.

Podeste

Podeste können sowohl zu Beginn einer Treppe (vor der Antrittsstufe) als auch am Ende (hinter der Austrittsstufe) angeordnet werden. Die Fläche zwischen zwei Treppenläufen nennt man Zwischenpodest. Durch Podeste wird ein Treppenlauf dem Gelände angepasst; sie machen das Begehen langer Treppen bequemer (Rast zwischen den Treppenläufen) und werten die Anlage auch optisch auf.

Schrittwechsel

Schrittwechsel über Podeste: 3 Stufen – 2 Schritte (Podest) – 3 Stufen

Folgen mehrere Treppenläufe – getrennt durch Zwischenpodeste – hintereinander, sollte man jeden Treppenlauf mit einem anderen Bein antreten, um einseitige Ermüdung des Beins zu vermeiden. Auf dem Podest sollte also ein Schrittwechsel stattfinden – erreicht, indem auf eine ungerade Anzahl von Stufen eine gerade Anzahl von Schritten bis zum nächsten Treppenlauf erfolgt.

  • Nach einer Treppe mit ungerader Stufenzahl sind Podestlängen mit 130 cm (2 Schritte) oder 260 cm (4 Schritte) angebracht.
  • Nach einer geraden Stufenzahl ergeben sich Podestlängen von 65 cm (1 Schritt) oder 195 cm (3 Schritte).

Bei längeren Treppenläufen mit kurzen Podesten ist auf einen bestimmten Gehrhythmus zu achten, indem man die Stufenzahlen der Treppen aufeinander abstimmt: z. B. 2, 4, 6 Stufen oder 3, 5, 7 Stufen.

Treppenlaufbreiten

Die Breite einer Treppe wird ermittelt, indem berücksichtigt wird, wie viele Personen die Treppe gleichzeitig nutzen wollen (wirklich nutzbare Breite). Der Treppenlauf wird breiter, wenn ein Handlauf montiert wird. Für eine Person ist eine Breite von 100 cm vorgesehen:

  • für 2 Personen: 130 cm
  • für 3 Personen: 190 cm

Rechenbeispiel

Um eine Treppe sicher und fachgerecht zu planen, werden folgende Werte ermittelt: Treppenbaulänge, Treppenbauhöhe, Stufenanzahl, Stufenhöhe, Steigung, Steigungsverhältnis, Auftritt.

Im Beispiel ist einzig der Höhenunterschied gegeben, der mit der Treppe überwunden werden soll: Höhe Punkt A = 10,32 m, Höhe Punkt B = 10,92 m.

Schritt 1 – Höhenunterschied ermitteln:
10,92 m − 10,32 m = 0,60 m. Dieser Wert ist zugleich die Treppenbauhöhe.

Schritt 2 – Stufenhöhe, Steigung und Stufenzahl berechnen:
Es wird mit verschiedenen Steigungen versucht, eine passende (ganzzahlige) Stufenanzahl zu erhalten – die Treppenbauhöhe wird durch eine mögliche Steigung geteilt.

  • Beispiel 1: Steigung 16 cm → 60 cm : 16 cm = 3,75 → keine volle Stufenzahl, nicht möglich.
  • Beispiel 2: Steigung 15 cm → 60 cm : 15 cm = 4 → möglich, Stufenanzahl 4; daraus ergibt sich direkt eine Stufenhöhe von 14 cm.

Schritt 3 – Auftritt berechnen:
mit der Schrittmaßformel, hier fixes Schrittmaß 65 cm: 2 × Steigung + Auftritt = 65 cm. Mit der Steigung von 15 cm: 2 × 15 cm + Auftritt = 65 cm → 30 cm + Auftritt = 65 cm → Auftritt = 35 cm.

Schritt 4 – Treppenbaulänge:
Stufenanzahl × Auftritt = 4 × 35 cm = 140 cm.

Hinweis zur Quelle
Die zugrunde liegende Schulungsunterlage benennt das Ergebnis am Ende von Schritt 3 als „Steigungsverhältnis von 16/35", obwohl vorher mit einer Steigung von 15 cm (Stufenhöhe 14 cm) gerechnet wurde. Das ist vermutlich ein Tippfehler im Originaldokument – rechnerisch ergibt sich nach den Zwischenschritten ein Steigungsverhältnis von 15/35 (Steigung/Auftritt) bzw. 14/35 (Stufenhöhe/Auftritt). Beim Erklären des Beispiels an Azubis sollte das klargestellt werden.

Nun sind alle Werte und Maße vorhanden, um die Treppe zu bauen: Treppenbauhöhe 60 cm, 4 Stufen, Stufenhöhe 14 cm, Steigung 15 cm, Auftritt 35 cm, Treppenbaulänge 140 cm.

Bezug zur Praxis

  • Bei Blockstufen reicht wegen des hohen Eigengewichts ein labiles Fundament – bei Legstufen und Winkelstufen ist wegen der geringeren Eigenstabilität ein Betonfundament nötig.
  • Das Steigungsverhältnis darf innerhalb einer Anlage nicht wechseln – das ist ein häufiger Prüfungsfehler und in der Praxis eine Stolperfalle für Nutzer.
  • Handläufe und Treppenwangen sind nicht nur gestalterisch, sondern auch sicherheitsrelevant (Absturzsicherung).
  • Die Wahl der Stufenart hängt eng mit dem übrigen Wegebelag zusammen – z. B. lässt sich Pflaster bei Stellstufen direkt auf der Treppe fortsetzen.

Quelle: DEULA-Nienburg GmbH, Schulungsunterlage „Erstellung einer Außenanlage (Bau- und Vegetationstechnik)", 3. Ausbildungsjahr Garten- und Landschaftsbau, Stand Oktober 2025.

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