ADHS und ADS

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ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und ADS (dieselbe Störung ohne Hyperaktivität) sind neurobiologische Entwicklungsstörungen. Sie beginnen in der Kindheit, verschwinden aber nicht automatisch mit der Pubertät – viele Betroffene tragen sie unerkannt bis ins Erwachsenenalter. In der BVB-Reha und Reha-Ausbildung gehören sie zu den häufigsten Handicaps.

Kurz gesagt
ADHS zeigt sich durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Fehlt die Hyperaktivität, spricht man von ADS – dem „stillen Typ", der oft übersehen wird, weil er nicht stört.

Grundlagen

Merkmal Angabe
ICD-10-GM (in Deutschland aktuell gültig) F90 – Hyperkinetische Störungen
ICD-11 (WHO, international seit 2022; Einführung in Deutschland für 2027 geplant) 6A05 – Attention Deficit Hyperactivity Disorder, mit Subtypen 6A05.0 (vorwiegend unaufmerksam = ADS), 6A05.1 (vorwiegend hyperaktiv-impulsiv), 6A05.2 (kombiniert)
Häufigkeit bei Kindern ca. 5 %
Häufigkeit bei Erwachsenen ca. 2,5–3 % (hohe Dunkelziffer, da viele Fälle unerkannt bleiben)

ADS wird oft übersehen
Der unaufmerksame Typ ohne Hyperaktivität fällt im Unterricht nicht negativ auf – Betroffene wirken eher verträumt, langsam oder unmotiviert. Weil sie nicht stören, werden sie seltener und später diagnostiziert, besonders Mädchen und Frauen.

Erscheinungsformen

  • Unaufmerksamkeit: schnelle Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten, eine Aufgabe zu Ende zu bringen, häufiges Verlieren von Gegenständen, Vergesslichkeit im Alltag
  • Hyperaktivität: innere und äußere Unruhe, Zappeln, bei Erwachsenen oft eher ein Gefühl des „Nicht-abschalten-Könnens" als sichtbares Herumlaufen
  • Impulsivität: vorschnelle Reaktionen, Unterbrechen anderer, schnelle Stimmungswechsel
  • Zeitblindheit: ein schlechtes Gefühl dafür, wie viel Zeit vergangen ist oder wie lange etwas dauert – eine der Hauptursachen für Unpünktlichkeit bei ADHS/ADS
  • Hyperfokus: bei Aufgaben, die wirklich interessieren, kann außergewöhnlich lange und intensiv konzentriert gearbeitet werden – für Außenstehende oft schwer mit dem sonstigen Bild vereinbar

Ursachen

ADHS/ADS ist neurobiologisch begründet und hat eine hohe Erblichkeit von schätzungsweise 70–80 %. Veränderungen im Dopamin- und Noradrenalinstoffwechsel sowie in der Aktivität des präfrontalen Kortex spielen eine zentrale Rolle. Erziehung, Zuckerkonsum oder Mediennutzung verursachen kein ADHS – sie können Symptome bestenfalls kurzfristig beeinflussen, sind aber keine Ursache.

Relevanz für die berufliche Rehabilitation

Viele Teilnehmende der BVB-Reha haben eine undiagnostizierte oder erst spät erkannte ADHS bzw. ADS. Im Ausbildungsalltag zeigt sich das häufig als Pünktlichkeitsprobleme, vergessenes Werkzeug, Schwierigkeiten bei mehrschrittigen Aufgaben oder schnelle Frustration – bei gleichzeitig oft ausgeprägten praktischen und kreativen Stärken.

Umgang – allgemeine Grundsätze

  • Klare, kurze Aufgabenstellungen – eine Sache nach der anderen
  • Sichtbare Struktur: Checklisten, Tagespläne, Zeitangaben
  • Regelmäßige kurze Pausen
  • Positives Feedback zeitnah und konkret
  • Stärken und Interessen gezielt einsetzen, statt nur auf Defizite zu schauen

Grundhaltung
Nicht „Was stimmt mit dir nicht?", sondern: Wie lassen sich unter den richtigen Bedingungen die vorhandenen Stärken einbringen?

Rechtliche Grundlagen

Norm Bezug
§ 2 SGB IX ADHS/ADS kann als Behinderung oder drohende Behinderung anerkannt werden
§ 117 SGB III Zugang zur BvB-Reha bei festgestelltem Reha-Bedarf
§ 65 BBiG Nachteilsausgleich bei Prüfungen (z. B. Zeitverlängerung, separater Raum)

Quellen:

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