Schizoide und Schizotypische Persönlichkeitsstörung
Die Schizoide und die Schizotypische Persönlichkeitsstörung sind zwei verwandte, aber unterschiedliche Störungsbilder, die beide durch ausgeprägte soziale Zurückgezogenheit gekennzeichnet sind – aus sehr unterschiedlichen Gründen.
Kurz gesagt
Schizoide Menschen ziehen sich zurück, weil sie kein Bedürfnis nach engen Beziehungen haben. Schizotypische Menschen ziehen sich eher aus Misstrauen und wegen einer eigenartigen Wahrnehmungs- und Denkweise zurück.
Schizoide Persönlichkeitsstörung
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| ICD-10-GM | F60.1 |
| Häufigkeit | ca. 1–2 % der Bevölkerung |
| Kernmerkmal | tiefgreifendes Desinteresse an sozialen Beziehungen, emotionale Distanziertheit |
Betroffene bevorzugen Tätigkeiten allein, zeigen wenig sichtbaren emotionalen Ausdruck und reagieren kaum auf Lob oder Kritik. Wichtig ist die Unterscheidung zu sozialer Angst oder Depression: Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung wünschen sich in der Regel keinen engeren Kontakt – anders als Menschen, die sich Nähe wünschen, sie aber aus Angst nicht herstellen können.
Schizotypische Störung
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| ICD-10-GM | F21 (bereits dort im Kapitel „Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen" eingeordnet, nicht bei den klassischen Persönlichkeitsstörungen) |
| ICD-11 (WHO, seit 2022) | 6A22 – seit ICD-11 ausdrücklich dem Kapitel „Schizophrenie und andere primäre psychotische Störungen" zugeordnet, da fachlich engere Verwandtschaft zur Schizophrenie als zu klassischen Persönlichkeitsstörungen besteht |
| Häufigkeit | ca. 3–4 % der Bevölkerung |
Kennzeichnend sind unter anderem eine eigenwillige, oft weitschweifige Sprache, ungewöhnliche Überzeugungen oder Wahrnehmungserfahrungen unterhalb der Schwelle einer eigentlichen Psychose sowie ausgeprägtes Misstrauen gegenüber anderen Menschen.
Abgrenzung
| Schizoide Persönlichkeitsstörung | Schizotypische Störung | |
|---|---|---|
| Grundproblem | Desinteresse an Kontakten | Misstrauen, eigenwillige Wahrnehmung/Denken |
| Wahrnehmungsbesonderheiten | nein | ja, unterhalb des Psychose-Niveaus |
| Verwandtschaft | eigenständige Persönlichkeitsstörung | fachlich dem Schizophrenie-Spektrum zugeordnet |
Relevanz für die berufliche Rehabilitation
Im Ausbildungsalltag zeigt sich das schizoide Muster eher als Rückzug und geringe Eigeninitiative im Sozialen bei oft guten Einzelleistungen, das schizotypische Muster eher als eigenwillige Kommunikation und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber wahrgenommenem Misstrauen.
Umgang – allgemeine Grundsätze
- Bedürfnis nach Distanz respektieren, ohne sozialen Rückzug automatisch als Desinteresse oder Ablehnung zu deuten
- Klare, sachliche Kommunikation ohne Ironie oder Mehrdeutigkeit
- Einzelarbeit ermöglichen, wo es die Aufgabe zulässt
- Bei stärkerer Verunsicherung, Rückzug oder ungewöhnlichen Wahrnehmungen: ruhig bleiben und den sozialpädagogischen bzw. psychologischen Fachdienst einbeziehen
Rechtliche Grundlagen
| Norm | Bezug |
|---|---|
| § 2 SGB IX | Psychische Störung als Behinderung |
| § 117 SGB III | Zugang zur BvB-Reha |
| § 65 BBiG | Nachteilsausgleich bei Prüfungen |
Quellen:
- § 2 SGB IX – Begriffsbestimmung Behinderung
- § 117 SGB III – Zugang zur BvB-Reha
- BfArM – ICD-10-GM
- WHO – ICD-11 Browser